Klettersteig Riegersburg – oder: Warum Angst haben auch ok ist.

Hi!

Vor kurzem haben wir euch ja gesagt, dass wir gern mal den Klettersteig zur Riegersburg hinauf gehen wollen. Das Coole daran ist, dass der Austieg direkt in der „Burgtaverne“ ist, d.h. sozusagen im Gastgarten.

Wir suchen uns also ein Wochenende mit schönem Wetter aus, packen alles zusammen und fahren Richtung Steiermark.

klettersteigausruestung
Unsere Klettersteig-Ausrüstung

Der Zustieg zum Einstieg des Klettersteiges ist sehr kurz, d.h. wir sind recht rasch am Seil.

Der Klettersteig ist mit C kategorisiert, besteht aber großteils aus A/B-Stellen. Lediglich zwei B/C und eine C-Stelle sind für die Kids zu bewältigen.Das sollte kein Problem werden, da sie diese Schwierigkeitsgrade bereits an der Hohen Wand gegangen sind.

Klettersteig_Riegersburg
Unsere Klettersteig-Ausrüstung

Sophie geht also vor, danach Sebastian, danach ich. Der Mann ist mit einem weiteren Jungen ganz vorne, um ggf. auch mit dem Seil von oben sichern zu können.

Wir sind alle hochmotiviert, die Sonne scheint noch nicht auf den Felsen und der Anblick ist wirklich atemberaubend.

Doch irgendwie kommt es dann doch anders.

Wir hatten zuvor ausgemacht, dass wenn jemand sich an einer Stelle nicht wohl fühlt, er/sie es einfach sagt. Kein Raunzen. Kein Jammern. Keine Panik.

Dass es dann aber so bald dazu kommen würde, dass einer sagt „Ich habe Angst. Ich möchte hier nicht weiter.“ ist dann doch ein bisschen überraschend.

Während Sophie schon im dritten Seilabschnitt steht, kämpft Sebastian noch mit dem ersten glatten Felsen, dem nicht allzu straff gespannten Seil und wohl mit seinem Selbstvertrauen. Er will nicht weiter. Er fühlt sich nicht wohl und ich merke, dass das heute wirklich zu schwierig für ihn ist.

Die ganze Sache muss Spass machen! Es hätte nichts passieren können, der Steig ist allerdings auf der gesamten Länge sehr exponiert, was v.a. bei nicht so Geübten rasch ein sehr mulmiges Gefühl aufkommen lassen kann. Wir entscheiden also, dass wir zwei wieder abklettern und zu Fuß zur Burg gehen. Die anderen Drei gehen den Steig weiter.

Sebastian ist etwas verunsichert. Ob er sich denn jetzt genieren müsse? Ob ich böse sei, dass ich den Steig jetzt nicht gehen konnte?

Nein! Weder noch! Angst zu haben ist absolut in Ordnung. Zuzugeben, dann man Angst hat, ist mutiger als sich zu etwas zu zwingen!

Ich bin stolz auf Sebastian, dass er sich getraut hat, das vor den Anderen (auch einem Jüngeren) zu sagen. Angst ist ein wichtiger Schutzmechanismus, er bringt die Kinder dazu, nochmals inne zu halten und darüber nachzudenken, ob das, was sie tun wollen/sollen, gut für sie ist. Natürlich darf Angst nicht überhand nehmen und ich versuche immer zu verstehen, woher diese genau kommt. Wovor haben sie Angst? Ist es – aus Sicht des Kindes!!!, denn das ist ein großer Unterschied – gerechtfertigt? Kann ich ihnen helfen, die Angst zu überwinden um dadurch zu wachsen? Nie möchte ich meine Kinder aber zu etwas zwingen oder ihre Angst, auch wenn diese für mich nicht nachvollziehbar ist, ignorieren oder übergehen.

An diesem Sonntag haben Sebastian und ich eine schöne Mutter-Sohn-Zeit, spazieren den Wanderweg hinauf, plaudern, blödeln. Nur wir zwei. Und cool sehen wir auch so aus – so mit Klettergurt, Klettersteigset und Helm. 🙂

Nach einer ziemlichen Weile kommen dann auch die anderen Drei oben im Garten der Burgtaverne an. Der Steig ist wohl an den genannten B/C- und C-Stellen aufgrund der Größe für jüngere Kinder schwierig. Besonders Querungen, wo Kleinere keinen Boden unter den Füßen haben und nur auf Reibung steigen können, können recht kraftraubend sein. Sie waren auf jedenfall überglücklich und stolz, das bewältigt zu haben.

Sebastian und ich beschließen, demnächst nochmal den Mödlinger Klettersteig zu gehen. Auch dieser hat eine kurze C-Stelle, ganz zu Beginn, die man aber auch umgehen kann. Dort werden wir die schwierigeren Techniken nochmals üben, uns am Seil anhalten und „reinhängen“, nur auf Reibung steigen und so weiter.

Das Wichtigste ist, dass alle Spaß haben!

Fazit Klettersteig Riegersburg:

  • meist A/B, max. C
  • immer exponiert
  • längere Querung
  • ab Mittag in der Sonne
  • toller Blick auf die Burgmauer
  • cooler Ausstieg mit Publikum in der Schlosstaverne
  • am Wochenende stark begangen
  • minimaler Zustieg
  • traumhafte Umgebung

Lest auch Klettersteig mit Kindern

Klettersteig_Leopold_Riegersburg

Es gibt vor Ort auch Guides, mit denen man die Steige begehen kann – für Anfänger sicher ein guter Einstieg. Wir kennen sie nicht, hier dennoch der Link (klick) zur Site zur Selbstrecherche. 🙂

 

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3 Gedanken zu “Klettersteig Riegersburg – oder: Warum Angst haben auch ok ist.

  1. Hallo,
    sehr schöner Beitrag! Bin voll und ganz Deiner Meinung. Und auch wenn der Tag nicht so gelaufen ist wie geplant, hattet Ihr zwei letztendlich eine schöne Zeit miteinander verbracht! Ich finde es ganz toll, wie Du das gelöst hast!
    Liebe Grüße und eine schöne Zeit!
    Pau

    Gefällt 1 Person

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